Enthüllungsfeier am 8. April 2008

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Trotz ungewöhnlich kühlen Wetters versammelten sich am 8. April 2008 unzählige Menschen, um der feierlichen Enthüllung des Gedenksymbols Schlüssel gegen das Vergessen, das in Gedenken an die vertriebenen jüdischen MitbürgerInnen aus der Servitengasse errichtet wurde, beizuwohnen. Das Gedenksymbol wurde von der jungen Künstlerin Julia Schulz entworfen.

Ehrengäste waren ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner aus der Servitengasse, die Dank der Unterstützung des Jewish Welcome Service zur Feier nach Wien eingeladen werden konnten: Lilly Capek, Walter Feiden, Charles Kurt und Felice Schrager. Einige Überlebende aus der Servitengasse konnten aus gesundheitlichen Gründen leider nicht nach Wien kommen.
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Sabine Gruber von der AGENDA 21 moderierte durch den Abend. Neben Vertretern und Vertreterinnen des Vereins "Servitengasse 1938" sprachen Martina Malyar (Bezirksvorsteherin des 9. Bezirks), Boris Marte (ERSTE Stiftung), Eva Blimlinger (Universität für Angewandte Kunst) und Charles Kurt als Überlebender aus der Gasse.


Umrahmt wurde die Veranstaltung mit einer Lesung ausgewählter Exil-Lyrik aus dem Buch "In welcher Sprache träumen Sie?", vorgetragen von Miguel Herz-Kestranek und musikalisch von Roman Grinberg und dem Wiener Jüdischen Chor. Die Enthüllung nahmen die Überlebenden aus der Servitengasse vor. Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israeltischen Kultusgemeinde, sprach im Anschluss daran ein Gebet.
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Peter Koppe, Vorsitzender des Vereins Servitengasse 1938, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Denkmalsenthüllung.
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Bezirksvorsteherin Martina Malyar und Charles Kurt, einer der Überlebenden aus der Servitengasse, beim Podiumsgespräch
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Eva Blimlinger - Universität für Angewandte Kunst
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Barbara Sauer - Verein Servitengasse 1938
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Boris Marte - ERSTE Stiftung
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Schauspieler und Autor Miguel Herz-Kestranek las Exillyrik aus dem Band "In welcher Sprache träumen Sie?"
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Roman Grinberg (li.) mit dem Wiener Jüdischen Chor
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Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Projekts. Im Bild (v.li.na.re): Barbara Kintaert, Marianne Suske, Barbara Sauer, Michael Landesmann, Maria Fritsche, Birgit Johler, Katharina Kober, Ursula Stern, Regula Kuster, Alix Paulus
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Hohepunkt der Veranstaltung: Die Enthüllung des Denkmals durch ehemalige BewohnerInnen der Servitengasse.
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Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, spricht das Totengebet "El Maleh Rachamim". (re.: Sabine Gruber, Agenda 21 Alsergrung)
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Der Verein Servitengasse 1938 dankt allen Sponsoren, Unterstützerinnen und Unterstützern, die das Gedenksymbol bzw. die Enthüllungsfeier ermöglicht haben.

Es sind dies in alphabetischer Reihenfolge:
- AGENDA 21 am Alsergrund
- Bezirksvertretung Alsergrund
- ERSTE Stiftung
- FSG Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen in der AK Wien
- Die GRÜNEN Alsergrund
- Irene Herbert, Schneiderzubehör
- Jewish Welcome Service
- Kommunalkredit
- KÖR Kunst im öffentlichen Raum
- Nationalfonds der Republik Österreich
- Bäckerei Ströck
- VONTOBEL Bank Österreich AG
- WIEN GAS
- Wien KULTUR

Statements bei der Enthüllung

Hat am Anfang bei uns noch die Furcht dominiert, unsere Initiative könnte bei den Überlebenden auf Ablehnung
stoßen oder als zu spät wahrgenommen werden, wurde uns rasch klar, dass - ganz im Gegenteil - unser Projekt auf Wohlwollen stoßt. Der Kontakt mit den Überlebenden aus der Servitengasse und dem ganzen Grätzel ist für uns eine echte Bereicherung.
Peter Koppe, Obmann Verein Servitengasse 1938

Ich hab eine neue Familie in Wien und die Adresse ist Servitengasse 6. Aber nicht nur diese Familie in der Servitengasse 6, da sind jetzt so viele Leute auf der ganzen Servitengasse, und was diese Leute gemacht haben in den letzten zwei Jahren, hat für mich das Leben ganz umgedreht, ganz umgedreht.
Charles Kurt, ehemaliger Bewohner des Hauses Servitengasse 6

Die Zusammenarbeit der Initiative mit der Universität [für Angwandte Kunst] ist eine schöne Geschichte, die sich in die Stadt auslagert, dh. dass es über die Servitengasse hinaus Kontakte gibt, dass es ein Zusammenarbeiten
gibt. Ich denke, das ist auch das Wichtige für die Stadt insgesamt, dass es Netzwerke gibt und für junge Menschen eine Möglichkeit, zu dieser Thematik einen Zugang zu finden. Dies ist ja oft nur mehr auf einer emotionalen Ebene möglich. Zu der Emotion kommt aber auch das Verstehen, und ich glaube, dass dies mit diesem Projekt und in dieser Zusammenarbeit mit dem Gedenksymbol sehr gut gelungen ist.
Eva Blimlinger, Universität für Angewandte Kunst

Die Erinnerung ist auch ein Blick in die Ursprünge unserer Gegenwart. Um in Zukunft zu vermeiden, dass man die Augen schließt, dass man nicht hinschaut, wo man hinschauen sollte, sind solche Projekte ganz wichtige Mahnmale und Kennzeichen im Text einer Stadt. Man kommt an ihnen nicht mehr vorbei. Sie sind auch Ausdruck, die Augen offen zu halten und wachsam zu sein für die Zukunft.
Boris Marte, ERSTE Stiftung

Ich glaube, dass diese Veranstaltung heute zeigt, [...] dass wir dafür verantwortlich sind, und das ist ein Versprechen Eurer Generation gegenüber, dass wir nie vergessen werden und es nicht zulassen, dass vergessen wird, [...] und dass wir vor allem für unsere jetzige Zeit und für die Zukunft aus dem lernen, was damals passiert ist. Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder Rassismus und nie wieder Hass gegen andere Menschen. Das ist das, was wir Euch versprechen
dürfen und versprechen müssen.
Martina Malyar, Bezirksvorsteherin 9. Bezirk

Ein tolles Projekt! JETZT ist die Zeit der letzten Gelegenheiten, um auch noch mit Zeitzeugen die Unfassbarkeiten dieser Zeit für die Geschichtsbücher und somit für uns alle präsent zu erhalten. Dazu leisten Sie einen Beitrag, zu dem ich gratulieren möchte.
Günther, 10. April 2008

Unveiling Ceremony, 8 April 2008

Despite unusually cold weather, countless people gathered on 8 April 2008 for the ceremonial unveiling of the memorial "Keys against Forgetting", erected in memory of the persecuted Jewish residents of the Servitengasse. The memorial was designed by the artist Julia Schulz.

Our guests of honour were former residents of the Servitengasse whom we had been able to get to know through the project: Lilly Capek, Walter Feiden, Charles Kurt and Felice Schrager from the USA, and Dr. Sophie Hirn from Vienna.

We were able to invite guests from the USA to attend the ceremony thanks to the Jewish Welcome Service. Several survivors from the Servitengasse were unfortunately not able to attend the unveiling due to poor health.

Sabine Gruber from AGENDA 21 moderated the ceremony. Martina Malyar (Head of the District Council), Boris Marte (ERSTE Foundation), Eva Blimlinger (University of Applied Arts), and Charles Kurt as a survivor from the street spoke alongside representatives from the group "Servitengasse 1938".

The event was accompanied by a reading of selected exile poetry from the book "In welcher Sprache träumen Sie?" ("What language do you dream in?"), read by Miguel Herz-Kestranek and music from Roman Grinberg and the Vienna Jewish Choir.

The memorial was unveiled by survivors from the Servitengasse.

Raimund Fastenbauer, General Secretary of the Jewish Community of Vienna recited the "El Maleh Rachamim" prayer for the dead.
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